Kapitel 13 ~ Untergang

Tag der Zeit, 16. Tag des Monats Sue, Jahr 3996 n.R.

Leise Geräusche weckten sie aus ihrem leichten Schlaf. Gedämpftes Flüstern suchte sich durch einen der Gänge seinen Weg an ihr Ohr.
Um diese Uhrzeit sollte doch niemand in der Festung unterwegs sein! Was hatte das zu bedeuten? Möglichst ohne ein Geräusch zu verursachen, stand sie auf und schlich zur Türe, die ihr Zimmer vom Korridor abschirmte. Vorsichtig drückte sie die schwere eiserne Klinke herunter und zog die massive Holztür auf.
Ein kalter Windhauch ließ sie kurzzeitig erschaudern. Angestrengt lauschte sie nun auf die flüsternden Stimmen, die irgendwo im Korridor Geheimnisse austauschten.
„... müssten sich irgendwo in diesem Flügel befinden“, der Flüsterton gab nicht preis, ob sie die Person kannte oder nicht.
„Warum müssen wir denn so vorsichtig vorgehen, wenn sie eh sterben müssen?“ In der Stimme lag Ungeduld und Gefahr.
Wen suchten diese? Wer sollte sterben? Ihr Herz schlug schneller... Sie hatten Eindringlinge in der Festung, die als uneinnehmbar galt.
„Wir können schlecht die ganze Königsfamilie nur wegen eines Verdachtes töten...“, die andere Stimme ermahnte zur Vorsicht, während die beiden den Gang hinunterschlichen.
Sie hatte genug gehört. Sie musste ihre Eltern warnen und ihren Bruder in Sicherheit bringen... ohne dass diese Typen merkten, dass sie Bescheid wusste. Vorsichtig drückte sie die Türe zu und nahm ihre Lanze aus der Halterung in der Wand. Da Eile geboten war, verschwendete sie keine Zeit darauf, ihr Nachthemd gegen andere Kleidung zu tauschen, sondern ging direkt auf den Balkon, wo sie ihre Lanze während ihres nächsten Unterfangens erstmal liegen ließ.
Sie beachtete die Höhe, in der sie sich befand – die Festung war dort auf einem Berg erbaut worden, wo der Schnee das Gebiet im Sommer mied – und kletterte auf das Geländer und sprang mit einem Satz auf den Balkon ihres Bruders.
Sie klopfte an die Scheibe, um ihren Bruder zu wecken. Sie wusste, dass sie nicht zu laut sein durfte, da es sonst bemerkt werden würde.
Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sich ihr jüngerer Bruder zu ihr begab und die Glastür, die auf den Balkon führte öffnete.
„Was ist denn los Patricia? Warum nimmst du nicht die Tür?“, ihr Bruder sah sie verschlafen an. Der Zwölfjährige schaute seine Schwester sehr verschlafen aus großen braunen Augen an.
„Du musst mit mir kommen, irgend jemand ist in der Festung, der hier nicht sein sollte“
„Dann werft ihn raus“, antwortete der Kleine gelassen und wollte gerade die Türe wieder zumachen, als er von seiner Schwester einfach auf den Arm genommen und aus seinem Zimmer entführt wurde.
„Was soll das? Das erzähle ich Mama“, die Stimme des jungen Prinzen wurde laut.
„Sei leise, unser Leben ist in Gefahr“, zischte ihm Patricia zu und sprang zurück auf ihren eigenen Balkon und hob ihre dreizackige Lanze wieder auf. Die dreizackige Spitze glänzte im fahlen Mondlicht silbrig und die Federn glänzten auf ihre eigene Art. Nur die drei Fuchsschweife, die einmal jungen Bergfüchsen gehört hatten verschluckten das wenige Licht, das die Nacht erhellte. Der Schmied, der die Waffe extra für die fünfzehnjährige Prinzessin zu ihrem vierzehnten Geburtstag angefertigt hatte, hatte sie Trifox genannt.
Mit der Waffe in der Hand schaute sich Patricia nun auf dem Balkon um. Weiter, als bis zur Abholung ihres Bruders, der noch immer leise protestierte, hatte sie noch nicht geplant.
So wie es aussah, musste sie nun über die Korridore weiter, um zu ihren Eltern zu gelangen. Über die Außenmauer mit ihren Bruder auf der Schulter zu klettern traute sie sich nicht zu. Sie betrat wieder ihr Zimmer und setzte dort ihren Bruder wieder ab.
„Was wird das?“
„Wir müssen unsere Eltern benachrichtigen und jetzt sei still, sonst werden wir noch entdeckt!“
Der Junge gehorchte widerwillig und verschränkte die Arme vor der Brust, abwartend, was seine Schwester nun tat.
Patricia öffnete die Tür erneut so leise sie konnte und horchte. Als sie keine Stimmen oder Schritte hörte, öffnete sie die Tür weiter und riskierte einen Blick den Korridor geradeaus hinunter, der nur von einigen Fackeln spärlich beleuchtet wurde. Schnell blickte sie nach rechts, wo der Korridor am Zimmer ihres Bruders vorbeiführte. Die Gestalten waren verschwunden. Hatte sie sich vielleicht alles nur eingebildet? Nein, sie wusste, was sie gehört hatte! Sie winkte ihren Bruder zu sich und lief den Gang entlang, von dem sie wusste, dass er zu den Gemächern der Königen führte.
Es dauerte einige Augenblicke, bevor sie mit ihrem Bruder vor der Tür stand, die zu den königlichen Gemächern führte. Zu ihrer Verwunderung stand die Tür offen und ein flackernder Lichtschein entkam dem Zimmer.
„... trägt Euer Gatte das Siegel anscheinend nicht. Nun, Majestät, wenn Ihr so freundlich wäret uns auch Euren Körper zu zeigen!“ Die Frauenstimme die nun sprach klang unfreundlich und kalt.
„Sofern ihr uns keinen Ärger macht, werden wir Euch auch kein Haar krümmen...“, diese Stimme klang süß und falsch und schien ebenfalls zu einer Frau zu gehören. Anscheinend waren die Eindringlinge aber nur zu zweit. Zusammen mit ihrer Mutter wäre sie sicherlich in der Lage, die beiden zu überwältigen...
„Bleib hier“, flüsterte sie ihrem Bruder zu und stieß die Tür auf.
Der Raum war halbwegs verwüstet, ihr Vater lag in mehrere Ranken verstrickt in einer Ecke, bewusstlos. Ihre Mutter stand kampfbereit vor den zwei in schwarz gekleideten Frauen, ihre Lanze in der Hand.
„Was machst du hier? Flieh!“ rief ihre Mutter, während sich eine der beiden Frauen zu ihr umdrehte. „Das nimmt uns die Arbeit ab... die gesamte noch lebende Königsfamilie hier versammelt zu sehen.“
„Die gesamte?“ Böses ahnend drehte sie sich um, ihr Bruder war ihr in den Raum gefolgt und sah mit angsterfüllten Augen auf die Angreifer, die die Königin – die beste Kämpferin des Landes – in Schach hielten.
„Du solltest doch draußen warten“, zischte Patricia dem Kleinen zu.
„Das hätte ihm auch nichts genützt, meine Liebe... und deinen Zahnstocher da kannst du auch gleich zur Seite legen und kooperieren.“ Die zweite der beiden Angreiferinnen hatte sich nicht einmal zu ihr umgedreht. Hatte sie etwa auch Augen im Hinterkopf? Patricia schauderte.
„Was wollt ihr?“ rief sie laut.
„Das, mein Schätzchen, geht dich überhaupt nichts an“, zischte erneut die eine.
„Verdammt noch mal! Lauf!“ Ihre Mutter mischte sich erneut in das Gespräch ein. „Solange ich sie aufhalte, solltet ihr euch in Sicherheit bringen!“
„Tsk, tsk, tsk... Eure Majestät Litharnis... Ihr solltet doch längst gemerkt haben, dass ihr mich nicht aufhalten könnt.“ Die Drohung der Frau schien ihre Mutter durchaus einschüchtern zu können, da sie kurz zusammenzuckte.
„Wir können Eure beiden Sprößlinge auch zuerst absuchen, vielleicht erspart Ihr Euch so Eure Durchsuchung!“ Die Stimme zischte so, als ob sie einer Schlange gehören würde. „Wenn Sie es tragen, lassen wir Euch sofort in Ruhe, wenn nicht müssen wir davon ausgehen, das Ihr es tragt... Und mehr wollen wir vorerst auch nicht wissen...“ Die Stimme flößte Patricia Angst ein und schließlich reagierte sie auf ein weiteres stilles „Nun verschwinde endlich“, von ihrer Mutter. Sie drehte sich um und schnappte im Vorübergehen ihren Bruder.
„Bleibt hier“, schrie ihnen eine heisere Stimme hinterher und als Patricia einen Blick über ihre Schulter zurück wagte, sah sie, wie sie von einer Pflanzenranke verfolgt wurde. Sie beschleunigte ihre Schritte, versuchte dem zu entkommen und hörte plötzlich aus der Ferne jemanden röcheln.
Sie rannte so schnell sie konnte die Korridore entlang, auch als sie schon lange keine Verfolger hinter sich erkennen konnte. Die Festung war wie ausgestorben und als sie endlich das Haupttor erreichte, wusste sie auch warum.
Mehrere der Wachen lagen hier tot auf dem Boden herum. Teilweise waren die Arme verdreht oder die Körper in anderen grotesken Formen erstarrt.
Langsam und bedächtig schritt sie an den Wachen vorbei, während sich ihr Bruder an ihr festklammerte.
Das plötzliche Aufheulen einer unwirklichen Stimme ließ sie aufschrecken. Sie spürte, wie sich jedes einzelne Haar an ihrem Körper aufrichtete, als sie vor sich eine Pflanzenranke aus dem Boden schießen sah. Weitere, plötzlich wachsende Pflanzen zerrissen das Mauerwerk wie Papier, Dachbalken knarrten und einige Korridore stürzten ein. „Ich werde eure ganze Sippe auslöschen“, die Stimme erklang von überall, als ob die wachsenden Pflanzen selber sprechen würden.
Ihr wurde klar, dass sie nicht vor dem Tor verweilen durfte und rannte mit ihrem vor Schreck starr gewordenen Bruder weiter. Sie wusste im Moment nur einen Zufluchtsort und der lag hinter der Festung ein Stück weiter oben auf dem Berg – Die Wahlheimat des Luftdrachens... Ihres Patrons. Aber um zu ihm zu gelangen, musste sie nochmal an der auseinanderbrechenden Festung vorbei.
Sie setzte ihren Bruder ab und sah ihm ernst in die Augen: „Wir werden uns bei Onkel Storyum verstecken. Ich kann dich nicht den ganzen Weg zu ihm tragen also versuche mir bitte so zu folgen... schaffst du das?“ Sie sah ihren Bruder ernst an, der schließlich nickte. Sie musste unwillkürlich lächeln. Er gehörte halt zur königlichen Familie und war kein Weichei, auch wenn hier – im Gegensatz zu anderen Kulturen – die Frauen das Sagen hatten. Sie strich ihrem Bruder kurz über den Kopf und ging dann voraus, den kleinen Kletterpfad an der Seite der Festung empor. Sie hoffte, dass ihre Mutter ihnen noch genügend Zeit kaufen konnte.
Der Weg war sehr eng und beschwerlich, dennoch kletterten sie so schnell sie konnten, bis sie die zerfallende Festung hinter einer Kurve zurückließen. Erst hier gestattete sie sich und ihrem Bruder eine Pause und ging langsamer voran. Sie hoffte, dass diese Verrückte zumindest dieselben Probleme haben würde und sie nicht so leicht verfolgen könnte. Sie schätzte die Chancen zu überleben wieder ziemlich gut ein, bis sie erneut die unwirkliche Stimme hinter sich hörte.
„Ihr zögert das Unweigerliche nur hinaus. Eure Mutter ist tot und ihr werdet ihr in Kürze folgen... Wollte ihr nicht wieder mit ihr vereint sein?“
Sie zuckte zusammen und nahm trotz ihrer großen Anstrengungen wieder ihren Bruder auf die Arme, um möglichst schnell weiter zu klettern.
„Ich weiß, wo ihr seid. Ich habe meine Augen überall... Ihr könnt mir nicht entkommen...“
Sie spürte ihr Herz vor Angst rasen... war die Stimme ihnen tatsächlich näher gekommen oder bildete sie sich das nur ein? Sie warf einen Blick über die Schulter auf den steinigen Weg hinter sich, um festzustellen, ob ihre Verfolgerin schon in Sichtweite war. Sie konnte niemanden sehen und lenkte ein wenig beruhigt ihren Blick wieder auf den Weg vor ihr.
Da stand sie plötzlich, eine Narbe auf der Wange, halbwegs von Ranken umgeben und ein irrer Blick, der Patricia eine Gänsehaut bereitete.
„Ich sagte doch: Ihr könnt mir nicht entkommen!“
Noch ehe sie reagieren konnte, war sie in mehreren grünen Ranken gefangen, ihr Bruder begann leise zu weinen.
„Nun umarmt den Tod, wie es bereits Eure Mutter vor Euch tat...“, die Frau zischte die Worte wie eine Schlange und schritt nun mit einem Dolch auf die beiden Geschwister zu.
„An Eurer Stelle würde ich die Waffe fallen lassen“, die Stimme, die nun erklang ließ die Frau in ihrem Vorhaben innehalten.
„Wer seid ihr denn, dass ihr mir Ratschläge erteilen wollt?“, rief sie. Ihre Worte verhallten als Echo, bevor das fahle Mondlicht von einem großen Schatten verdeckt wurde, der nun hinter Patricia landete.
„Ich bin der Herr der Lüfte und derjenige, der Litharnis unschuldige Kinder vor Euch beschützen wird“, erklang die sanfte Stimme bestimmt hinter ihnen, bevor sich der Kopf des Drachens vor Patricia schob. „So wie ich das sehe seid ihr einen Schritt zu weit gegangen. Ich werde nicht zulassen, dass ihr das Schicksal weiter manipuliert!“
Patricia konnte förmlich die Luft knistern hören, als der Drache der Frau seinen Standpunkt klarmachte.
„Ich habe die Macht eines Siegels! Glaubt Ihr, dass Ihr mir etwas befehlen könnt?“ Die Antwort der Frau klang giftig, obwohl sie von der Größe des Drachens beeindruckt war.
„Da Ihr hier in MEINEM Gebiet seid und Euch MEINE Macht wohl nicht ganz bewusst zu sein scheint...“ Storyum fauchte die Frau an, während mehrere Blitze durch den Himmel zuckten. „... muss ich euch dies wohl demonstrieren!“ Nur wenige Handbreit neben der Frau schlug ein Blitz in den Felsen ein und trennte ein Stück Felsen ab.
„Ihr glaubt doch nicht, dass mich... das... beeindrucken würde“
Selbst Patricia hörte, wie die Sicherheit aus der Stimme der Frau gewichen war und wie sie hörbar schluckte.
„Wenn das nicht, dann aber sicherlich dieser hier!“ Erneut schlug ein Blitz ein, diesmal direkt vor der Nase der Frau. „VERSCHWINDET, BEVOR ICH MICH VERGESSE!“
Wenn der letzte Blitz die Frau nicht eingeschüchtert hatte, dann die grollende laute Stimme, die auch Patricia tiefe Angst eingejagt hatte. Sie kannte den Drachen zwar schon länger und hatte ihn bisher immer nur als sanften und fürsorglichen „Onkel“ kennengelernt, so dass sie diese Seite stark einschüchterte.
„Auch so zögert ihr nur das Unweigerliche hinaus...“ antwortete sie schließlich mit einer zitternden Stimme, trat aber dennoch langsam den Rückweg an.

„Thimonis, es ist alles vorbei... alles ist gut“, Patricia hatte große Probleme ihre noch zitternde Stimme einigermaßen unter Kontrolle zu bringen, um ihren Bruder zu trösten, den das ganze total verstört hatte.
„Tut mir leid, aber ich musste etwas grober werden“ Das Gesicht des Drachen wirkte in der ersten Morgenröte leicht golden. „Ist schon in Ordnung Onkel... Du hast uns das Leben gerettet...“, sie lächelte den großen Drachen an, auch wenn das etwas merkwürdig war, diesen als „Onkel“ zu bezeichnen.
„Leider konnte ich für eure Eltern nichts mehr tun... Als ich merkte, was geschah, war es bereits zu spät.“
Patricia schüttelte den Kopf, ihren Bruder weiterhin in den Armen haltend. „Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen... eigentlich müssten wir uns selbst Vorwürfe machen... Wir haben uns zu sehr auf die Sicherheit der Festung verlassen...“, sie blickte auf die Trümmer der Festung unter sich, in denen Licht und Schatten ihrem Versteckspiel nachgingen. Die Festung, halb überwuchert von den Pflanzen, durch die sie zerstört worden war, wirkte, als sei sie fehl am Platze. So wie die Trümmer auf den Felsen empor ragten wäre sie in einem Dschungel besser aufgehoben gewesen.
„Ich würde nur zu gern wissen, warum sie uns das angetan hat... und wieso hast du sie nicht einfach aus dem Weg geräumt?“
„Ich konnte das nicht tun, weil sie das besaß, was sie bei euch gesucht hat.“
„Ich verstehe nicht... wenn sie es hatte, warum hat sie es bei uns gesucht?“
„Sie ist im Besitz eines Siegels, des Siegels der Natur... und ihr beide habt das Siegel der Luft... Entweder du oder dein Bruder...“
Sie sollte was besitzen? Ein Siegel? Ihre Mutter besaß einen Siegelring, aber der konnte doch nicht so wertvoll sein... außerdem konnte sie den auch längst von ihrer Mutter bekommen haben...
„Bist du dir sicher, dass sie dieses Siegel nicht längst besitzt und uns töten wollte, weil meine Mutter sie angegriffen hat?“
Storyum blieb lange Zeit still und blickte in die Ferne.
„Ich bin mir sicher, denn ich habe es gesehen, als ihr getauft wurdet...“ Der Drache lächelte, „Ihr wart damals so süß gewesen, fast so wie meine kleine Felicia...“
Felicia war die Hohepriesterin der Luft, also waren die Gerüchte wahr... Die Priesterinnen waren die Nachkommen der Drachen...
„Das bedeutet aber auch, das du weißt, wer von uns dieses... Siegel hat?“
Der Drache nickte schwerfällig. „Dir wurde eine große Last auferlegt, Patricia von Litharnis... Denn du musst nicht nur dein Leben schützen, sondern – was noch viel wichtiger ist – auch das deines Bruders...“
Patricia fühlte sich so, als ob sie von einem Blitz getroffen wurde. Ihr Bruder trug also dieses Siegel, hinter denen diese Verrückten her waren? „Können wir denen das Siegel nicht einfach geben, damit sie uns in Ruhe lassen?“
„Ich fürchte das geht nicht... den das Siegel wechselt nur den Besitzer...“
Der Drache hielt inne und blickte in die Ferne. Eine lange Zeit verging, bevor ihr Onkel weiter sprach: „... wenn der vorherige Besitzer stirbt.“
Der Drache sah sie nun wieder an. Die tiefgründigen blauen Augen Storyums wirkten traurig. „Ich kann da nichts für dich tun... Ich kann euch nur so lange beschützen, bis das Siegel erwacht...“
Seine Stimme klang inzwischen väterlich und besorgt und der traurige Unterton der mitklang drückte tiefe Sorge für das Geschwisterpaar aus. „Viel Glück...“ Storyum hob ab und ließ Patricia mit einem großen Berg neuer Sorgen zurück.
„Wieso? Wieso nur?“ flüsterte sie leise, während sie ihren Bruder fest an sich drückte. Während dieser leise schluchzte, liefen ihr heimlich die Tränen über die Wangen, während sie auf die Ruinen ihrer alten Heimat starrte.