Teil 5:
~ Schicksal in Bewegung gesetzt ~
Kapitel 14 ~ List

Tag der Natur, 2. Tag des Monats Dira, Jahr 3996 n.R.

Das Prinzip der Magie zu verstehen bedarf einiger grundlegender Fragen: Welche Prozesse laufen ab? Welche Energien werden verbraucht und freigesetzt, um den gewünschten Effekt zu erhalten?
Nehmen wir zum Beispiel einen Feuerball: Eine brennende Kugel, die bei Aufprall explodiert – Wieso sieht man die Kugel brennen? Wieso explodiert sie?
Ich bin diesen Fragen auf den Grund gegangen und habe festgestellt, dass Magie – neben den gewünschten Ergebnissen – sehr viel Effekthascherei ist. Der Feuerball brennt nicht wie ein Feuer, in dem dort Holz oder Öl verbrennt, sondern ist nur ein Ball komprimierter Energie. Das was man brennen sieht ist nur die Luft um den Ball herum - ein illusionäres Licht.


Gelangweilt sah ich von dem Buch auf und stellte es zurück ins Regal. Man hatte mich inzwischen mehrere Tage in diesem Zimmer warten lassen. Die meisten Bücher in dem, sich über eine Wand erstreckenden, Bücherregal kannte ich allerdings bereits. Die Details der Wandteppiche hatte ich in der Zwischenzeit auch lange genug studiert. Sogar die Vorhänge, Teppiche und der einsam im Zimmer stehende und vollgepackte Schreibtisch machten meine Zeit hier nicht kurzweiliger. Gelangweilt legte ich mich wieder halb auf das im Zimmer stehende Sofa.
„Du könntest doch einfach hier verschwinden?“ Firence lag quer auf dem Schreibtisch und sah mich lächelnd an. Wäre er nicht wieder nur in meinen Gedanken sichtbar gewesen, hätte das Zimmer schon lange lichterloh gebrannt.
„Du kannst sagen, was du willst, aber irgendwie interessiert mich der Typ, der so einen Aufwand betreibt, um mich zu treffen.“ Ich schenkte dem Geist ein müdes Lächeln und kraulte Rjusha den Kopf, die es sich auf dem angrenzenden Sessel gemütlich gemacht hatte.
„Irgendwo werde ich aus dir nicht schlau...“ Firence seufzte und sah aus einem der großen Fenster.
„Musst du letzten Endes auch nicht...“
„Stimmt, Frauen sind manchmal so kompliziert gestrickt...“
„Firence...“
„Weißt du, wie gut ich es habe, dass du mir nichts tun kannst?“
„Warts ab... irgendwann kann ich dich dafür schon zur Rechenschaft ziehen!“
„Da bin ich ja mal gespannt...“
„Pfft“ Ich schenkte meine Aufmerksamkeit wieder Rjusha und wartete.
Zu meinem Glück dauerte es nicht lange, bis sich die große Flügeltür öffnete und ein hochgewachsener Mann das Zimmer betrat. Seine kurzen blonden Haare glänzten ein wenig in der einfallenden Sonne und seine grün-braunen Augen lächelten mich förmlich an.
„Tut mir ehrlich leid, dass sie so lange warten mussten, Miss Silver, aber ich hatte noch einige Angelegenheiten zu regeln. Ich hoffe, dass man sie soweit gut behandelt hat?“ Die lange Robe konnte den muskulösen Körperbau des gutaussehenden Mannes nicht wirklich verdecken.
„Ja, vielen Dank...“ Meine Antwort war etwas knapp ausgefallen während ich seine freundlichen Gesichtszüge, die ein breites Lächeln zeigten, weiter musterte.
„Also hat mich der erste Eindruck nicht getäuscht“, antwortete der Mann und ging am Sofa vorbei auf den Schreibtisch zu. „Schließlich habt Ihr es Euch ja richtig gemütlich gemacht...“
Ich schreckte hoch und spürte, wie mein Herz schneller schlug.
„Aber, aber... bleiben sie doch liegen, wenn es Ihnen so gefällt“, er lachte ein wenig und setzte sich an den Schreibtisch. „Ich habe mich noch nicht vorgestellt... Ich bin Gregor Jones, aber Ihr könnt mich nur Gregor nennen...“
Als ich verlegen hochsah, merkte ich, wie Firence Gregor nachäffte, während er noch immer auf dem Schreibtisch lag. Ich schickte Firence gedanklich weg, woraufhin er sich dort in Rauch auflöste und hinter Rjushas Sessel wieder auftauchte. Die kleine Drachendame hatte inzwischen auch ihre Aufmerksamkeit auf den Neuankömmling gerichtet.
„Nun, meine Liebe...“, Gregor hatte die Hände gefaltet und sich auf den Schreibtisch gestützt. Er beobachtete mich über seine beiden Handrücken. „Ich denke, es wird Zeit ein wenig darüber zu sprechen, weshalb ich Euch eingeladen habe...“
„Eingeladen ist das falsche Wort dafür“, Rjusha war auf jeden Fall nicht von dem Mann beeindruckt. „Es war eher eine... Bedrohung!“
„Das tut mir ehrlich Leid, aber ich musste sichergehen, dass ihr meiner Einladung folgt. Sobald ihr hier wart, habe ich schließlich für euren Komfort gesorgt...“
„Ohne, dass wir das Zimmer verlassen durften?“ Rjusha hatte vor, sich mit Gregor anzulegen, was normalerweise auch meine Reaktion gewesen wäre, aber irgendwie hielt mich mein Herzklopfen davon ab.
„Oh, ich glaube das war ein Missverständnis meiner Anweisungen... Ihr hättet frei durch das ganze Anwesen streifen können... mir war nur wichtig, dass ich mit euch sprechen kann... möglichst... privat.“
Seine Augen richteten sich auffordernd auf mich – ich spürte wie mein Herz noch ein Stück schneller schlug und mir das Blut in den Kopf schoss... Ich sah zu Rjusha, die mir einen durchdringenden Blick zuwarf... Mein Blick traf wieder Gregor der immer noch auffordernd lächelte... Allerdings konnte ich nichts sagen...
„Nun gut, es kann auch unter unseren sechs Augen bleiben...“ Gregor setzte sich auf seinem Stuhl wieder aufrecht hin und öffnete seine Robe, so dass der Blick auf seinen Hals frei wurde.
„Wie ihr es Euch vielleicht vorstellen könnt, geht es mir um das, was uns beide verbindet...“
Er stand auf und kam ein Stück auf mich zu. Dann beugte er sich herunter und zog das Hemd etwas weiter auseinander...
Dort wo seine Schulter auf seinen Hals traf prangte es: Ein Siegel. Ich sah ihn erschrocken an. „Ich denke mal, ihr wisst sehr gut, was diese Siegel für ein Schicksal bedeuten...“
Er zog sein Hemd wieder ordentlich an und kehrte zu seinem Stuhl am Schreibtisch zurück. „Ich habe vor, meine Chancen im... Endspiel... ein wenig zu erhöhen. Einen Verbündeten habe ich bereits und ich hoffe, das Ihr meine zweite Verbündete sein werdet...“
Er lächelte erneut sein faszinierendes Lächeln, jedoch dachte ich, für einen kurzen Augenblick sei ein dunkles Grinsen über seine Züge gehuscht.
„Ich... ich bin mir nicht sicher...“ Ich fühlte mich bei dem Gedanken, irgendwann gegen ihn kämpfen zu müssen, unsicher.
„Oh, aber ihr müsst...“ seine Stimme klang überrascht. „Schließlich haben wir Gegner, die dasselbe versuchen...“
Mir kam der Klan in den Sinn... der Klan dem Richard angehörte! War dieser etwa auf der Jagd nach Siegelträgern, um diese in die eigenen Reihen zu integrieren und schließlich kaltblütig zu töten, wenn die Zeit gekommen war? Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter.
„Wer sagt uns denn, dass wir Euch trauen können?“ Rjusha hatte ihre Fehde noch nicht aufgegeben.
„Das sagt niemand... aber es würde nicht schaden, mein Angebot anzunehmen, oder? Ich habe Freunde in den höchsten Positionen auf so ziemlich jedem Kontinent in ganz Archaea... Es würde Euch sicherlich zugute kommen...“
„Lasst mir am Besten etwas Bedenkzeit“, schlug ich Gregor vor.
„Die könnt Ihr gerne haben... was haltet Ihr davon, wenn ich in einer Stunde wieder erscheine... und dann könnt Ihr mir eure Entscheidung bei einem guten Abendessen mitteilen?“
Ich nickte kurz und sah kurz zu Rjusha und Firence.
„Gut, dann bis später“, er verbeugte sich kurz vor mir, nahm meine Hand und drückte einen Kuss auf meinen Handrücken. Während in meinem Bauch tausende von Schmetterlingen abhoben, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Dieser Mann faszinierte mich auf eine besondere Art und Weise und dennoch... irgendetwas an ihm machte mir Angst... Angst die ich nicht greifen konnte.
„Dann bis später...“ er verbeugte sich ebenfalls kurz vor Rjusha und verließ den Raum.
„Ich traue ihm kein bisschen über den Weg...“ Firence sah Gregor ein wenig nachdenklich hinterher. Seine Mine wirkte ernst. „Halte mich jetzt bitte nicht für eifersüchtig, weil deine Gefühle dein rationales Denken beeinflussen.“ Firence sah mir tief in die Augen – ein Blick, den ich mir auch von Rjusha gefallen lassen musste.
„Ich traue ihm kein bisschen über den Weg...“ begann auch die kleine Drachendame. „Um ehrlich zu sein... ich hasse seine ganze Art... viel zu... schmalzig...“
Ich musste lachen... die beiden konnten einem durchaus die Zeit versüßen und obwohl Gregor so... unwiderstehlich... war, musste ich beiden in einem Punkt recht geben: Ich konnte ihm nicht trauen. Also warum sollte ich mich nicht auf sein Spiel einlassen und mit dieser List gleichzeitig das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Zum einen konnte ich so ein wenig Zeit mit diesem... hübschen Exemplar der männlichen Art verbringen und zum anderen konnte ich ihn vielleicht dazu bringen, mir bei meinen eigenen kleinen Plänen zu helfen – schließlich musste ich noch einige Artefakte einsammeln.
Wie ich ihm allerdings klarmachen sollte, dass ich diese suchte und nicht genau wusste, wie sie aussehen, war mir noch nicht klar. Noch dazu wusste ich nicht, was ich ihm sagen sollte, wenn er mich nach dem Grund der Suche fragte.
„Lass dich aber nicht zu sehr durch sein Aussehen von deinem Plan abbringen oder sogar dazu, ihm das zu verraten!“ Firence lächelte etwas. „Wobei ich nicht gedacht hätte, dass du Männer so kaltblütig ausnützen könntest, nach dem, was in deiner Gefühlswelt los war...“
„Glaube mir, ich weiß meine Prioritäten zu setzen... und eine davon ist es, mich nicht weiter in ihn zu verlieben, denn das könnte am Ende fatale Folgen haben. Aber vielleicht können wir ja nach dem Ganzen etwas anfangen...“
Rjushas durchbohrender Blick verriet, dass sie es gar nicht mochte aus meinen 'anderen' Gesprächen ausgeschlossen zu werden.
„Ich erkläre es dir am Besten später, wenn wir ungestört sind...“
„Na gut, aber egal ob vorher oder nachher oder worum auch immer es geht, ich werde es nicht dulden, wenn es mit dieser Schmalzlocke geschieht!“
„Ich werde nichts tun, was nicht absolut nötig ist“, versicherte ich ihr irgendwie, aber in ihrem skeptischen Blick konnte ich sehen, dass sie mir nicht traute.
„Ehrlich!“ Ich hätte schon fast Firence um Unterstützung gebeten, hatte aber mal wieder vergessen, dass ich im Moment die einzige war, die ihn sehen konnte.
„Hmpf! Wir werden ja sehen“, antwortete sie und blickte trotzig von mir weg.
Ich gab auf. Irgendwo hatte ich sie vielleicht verzogen.
„Lass sie erstmal ein wenig schmollen... viel wichtiger ist, wie du es anstellen willst, dass er dir bei der Suche hilft!?“
„Am besten ich frage ihn erstmal... vielleicht fällt mir noch ein guter Grund ein...“
„Toller Plan...“ Firence seufzte theatralisch.
„Wehe es geht um persönliches...“ fauchte Rjusha.
Ich schüttelte meinen Kopf und starrte aus dem Fenster und dachte darüber nach, wie unbarmherzig doch mein Schicksal war...

Gegen Abend holte uns Gregor ab und führte uns eine Treppe empor in einen kleinen Saal, wo er mir den Sitzplatz an einem Kopfende des Tisches anbot, während er an dem anderen Platz nahm. Yenova saß ebenfalls an der kleinen Tafel, direkt Rjusha gegenüber, die dessen Gesellschaft mehr genoss, als die von Gregor.
Firence hatte sich hinter Rjusha auf den Stuhl gesetzt und beobachtete das Geschehen in aller Ruhe. Ich musste mich unwillkürlich fragen, ob alle drei Geister zufälligerweise auf demselben Stuhl saßen und stellte mir kurz vor, welch ein Gedränge auf dem Stuhl herrschen würde, wenn alle drei wirklich anwesend wären.
„Nun, ihr wolltet mir mitteilen, wie ihr euch entschieden habt...“ begann Gregor schließlich, nachdem alle die erste Hälfte des Essens lang geschwiegen hatten. „Ich denke mal, Yenova hier würde sich ebenfalls über eine positive Antwort freuen...“ er nickte dem Einäugigen entsprechend zu.
„Es wäre mir eine Ehre“, antwortete dieser, trotz seiner rauen Stimme in einem sehr freundlichen Tonfall. Sein Gesichtsausdruck zeigte ehrliche Freude.
„Ich glaube du kannst ihm eher vertrauen, als Gregor“, meinte Firence gelassen.
Ich antwortete nicht darauf sondern, richtete meinen Blick wieder auf Gregor.
„Wir haben uns dazu entschieden, Euer Angebot anzunehmen. Verbündete in diesen Zeiten sollten wirklich nicht schaden...“
„Das freut mich zu hören... Auf unsere neue Allianz!“ Er hob eines der Gläser zum Toast und wir folgten seinem Beispiel – bis auf Rjusha.
„Vielleicht könntet ihr mir auch in einer kleinen Angelegenheit behilflich sein...“, ich versuchte nun das Thema auf die Objekte zu lenken, die ich suchte. „Ich bin auf der Suche nach einigen Artefakten für meine private Sammlung... Ich würde sie gerne noch vervollständigen, solange ich mir meines Lebens sicher bin“, ich beugte mich etwas vor und sah lächelnd in Gregors fragendes Gesicht.
„Sofern es in unserer Macht steht, werden wir euch helfen, nicht wahr Yenova?“
„Ich bin zu jeder Schandtat bereit“, sein Lächeln wirkte echt. „Je nachdem, was wir suchen, ist es vielleicht sogar ein gutes Training“, er blinzelte mir mit seinem verbleibenden Auge zu.
„Um was handelt es sich denn?“
„Leider kann ich es nicht allzu genau sagen, aber es handelt sich um zehn kleine Objekte, die die zehn Elemente verkörpern... ich weiß nur, das sich auf jedem Kontinent einer befindet und jeder an einem Ort, an dem das entsprechende Element am stärksten vertreten ist...“
Gregor wirkte skeptisch, so als wollte er sagen, dass es etwas komisch sei, etwas für die eigene Sammlung zu suchen und nicht genau zu wissen, wie es aussieht.
„Wenn das so ist, würde ich vorschlagen, dass wir den jeweiligen Drachen einen Besuch abstatten. Sie haben sich ihr Nest oder ihre Höhle ebenfalls dort gesucht, wo ihr Element am stärksten vertreten ist“, Yenova kümmerte die Beschreibung nicht weiter. Er war anscheinend eine Person, die für Verbündete oder Freunde alles tat.
„Vielen Dank, Yenova.“ Ich lächelte den in eine schwarze Robe gekleideten Mann freundlich an.
„Leider kann ich euch auf eurer Suche nicht begleiten, da ich noch einiges anderes zu tun habe, aber ich kann einige meiner Kontakte befragen, ob sie nach so einem Objekt Ausschau halten können.“
„Danke Gregor, vielen Dank“, sein freundliches Lächeln und sein Angebot verzauberten mich irgendwie, so dass ich für den Rest des Abends keinen weiteren Bissen hinunter bekam.
Bei Rjusha sah es ähnlich aus, jedoch lag es bei ihr eher an einer gewissen Übelkeit.
Den Rest des Essens redete ich mit Gregor und Yenova über Belanglosigkeiten, in die sich auch Rjusha wieder einmischte. Fragen nach dem jeweiligen Element des anderen stellten alle anwesenden zurück – anscheinend wollten die anderen, genauso wenig, wie ich, zuviel über sich preis geben.
Einige Zeit später führte man mich in ein neues Zimmer, ein Zimmer, das endlich ein richtiges Bett bot.
Endlich konnte ich mich einem entspannenden Schlaf widmen...

Ich fand mich inmitten eines Sees wieder, das warme Wasser umspülte meinen Körper, während ich mit geschlossenen Augen dalag und das Gefühl genoss.
Irgendwann öffnete ich meine Augen und sah in das fahle Antlitz des Mondes. Ich brauchte nur meine Hand ausstrecken und ich konnte den gesamten Mond umfassen und plötzlich erschrak ich: Meine Hand war von Blut gerötet! Ich schoss hoch und sah mich um: Der vermeintliche See, in dem ich lag war das Blut eines Drachen, das Blut das aus dessen Auge geflossen war.
Ich erschauerte und erinnerte mich an einen Traum, ein Traum in dem mich das Blut herunterzog und ich erwachte.
Ich schwomm zum Drachen, wollte mich an dessen Körper aus dem Blutsee hochziehen, aber das Blut hielt mich fest. Ich konnte nicht weiter als mit meinem Oberkörper den See verlassen.
Erneut ertönte das verrückte Lachen aber die Stimme gehörte jemand anderem – aber wem? Ich sah mich verzweifelt um und mein Blick fiel wieder auf den See – das Blut war schwarz wie die Nacht geworden, der Drache verschwunden.
Irgendwoher fielen von rotem Blut getränkte Federn auf die Oberfläche und versanken kurz darauf im schwarzen Blut. Ich blickte hoch, folgte den herabfallenden Federn bis zu einer Silhouette am Himmel. Ich strengte meine Augen an, um zu erkennen, wer da hing und als das fahle Licht des Mondes den von mehreren Speeren aufgespießten Engelskörper erhellte erkannte ich... mich...

Erschrocken erwachte ich aus diesem Alptraum. Mein Herz klopfte wahnsinnig schnell. Was hatte dieser Traum zu bedeuten? Ich sah zur Seite, wo ich Rjusha vermutete, um von ihr Rat zu erhalten, fand jedoch Firence, der mich besorgt ansah.
„Was ist geschehen? Irgendeine dunkle Wolke hatte dich von mir getrennt... ein Schatten... der tief in dein innerstes vorgedrungen war.“
„Ich... ich hatte einen Traum...“ Ich sah Firence ängstlich an und erzählte ihm kurz was ich erlebt hatte.
„Ich glaube fast, dass es eine Warnung war... Aber ich kann dir nicht sagen von wem oder warum. Du solltest von nun an sehr vorsichtig sein... Es gibt jemanden, der unsere enge Verbindung beeinflussen, sogar kurzzeitig trennen kann...“
„Was sich am Ende als großer Nachteil herausstellen könnte...“ den Rest musste ich nicht einmal zu Ende denken. Firence wusste genau, das eine solche Trennung während der großen Entscheidung fatal wäre...

„Aber ich muss sie unbedingt sprechen... Es ist wichtig!“ Er flehte den kahlköpfigen Priester vor sich quasi an. „Es geht um Leben und Tod!“
„Tut mir leid, Mister... Graei... Aber Miss Lantis will im Moment nicht mit ihnen sprechen.“ Der Priester wollte sich gerade wieder abwenden und ihn vor der Türe stehen lassen, als Raisana doch noch in der Türe erschien.
„Was willst du?“ Ihre Stimme klang kühl aber ihr Gesicht verriet eine gewisse Traurigkeit.
„Miss Lantis! Ihr müsst euch nicht mit diesem Individuum abgeben, wenn ihr nicht wollt!“
„Schon gut, Vater Fabianos, ich habe es mir anders überlegt, lasst uns bitte etwas alleine...“
„Wie ihr wünscht“ Der in grau gekleidete Priester verabschiedete sich und ließ Sarasra mit ihr alleine.
„Ich möchte mich zum einen entschuldigen und zum anderen mit dir über etwas reden...“ Er seufzte lauthals.
„Nun ich höre... Mister heimlicher Drachentöter...“
„Ich hätte es dir vorher sagen sollen, nicht wahr? Aber ich wollte dich nicht verlieren, nicht noch einmal...“ Sein Gesicht zeigte ehrliche Trauer, Trauer die fast das Herz der Priesterin erneut erweicht hätten, aber immer noch schwebten ihr jene Sekunden aus Asycion vor den Augen.
„Mir vorher verraten, dass es dein eigentliches Ziel war, unter anderem Luxa zu töten? Die Kirche weiß schon lange von den Plänen deines Klans.“ Sarasra erschrak woher wussten sie darüber Bescheid? „Sag mir, warum hasst du sie so? Sie haben unseren Frieden für eine lange Zeit geschützt... warum hasst du so sanfte Wesen wie Luxa?“
„Weil sie dir damals nicht das Leben retteten...“ Seine Antwort löste eine Welle der Verwunderung bei ihr aus.
„Was redest du da?“
„Das würde ich dir lieber an einem ruhigeren Ort erklären, die Geschichte, wie ich dich vor annähernd viertausend Jahren verlor...“